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Der Fachkräftemangel - Chancen für den ersten Job

Runder_Tisch
© HARALD ARTNER

Mit „Mein erster Job“ wollen wir einen breiten Bogen spannen von Ausbildung bis Fachkräftemangel. Die Stadt Wien ist einer der größten Arbeitsgeber. Wie sehen Sie die aktuelle Diskussion um den Fachkräftemangel, etwa bei Pflegeberufen?

Peter Hacker: Ich würde die Situation in der Pflege noch nicht als Mangel bezeichnen. Aber wenn wir nichts ändern, wird es dazu kommen. Die wirkliche Herausforderung für die zusätzlichen Pflegekräfte kommt zur Mitte der 2020er Jahre auf uns zu, wir haben also noch 5-6 Jahre Zeit um vorzubauen. Wir sehen aber schon erste Probleme rund um das Thema 24h Betreuung, wo wir nicht in der Lage sind ein Bedürfnis, das es österreichweit gibt, mit MitarbeiterInnen aus dem eigenen Land auch nur ansatzweise abzudecken. 98% der 24h-Betreuungskräfte kommen aus anderen Ländern und das bei insgesamt über 60.000 Menschen, die hier in Österreich tätig sind. Wir haben zwar in Wien noch einen relativ geringen Anteil der 24h Betreuung, weil wir andere Maßnahmen setzen, etwa mobile Betreuung. Wegen der demografischen Entwicklung besteht aber kein Zweifel, dass wir in der Betreuung von Senioren einen Bedarf haben werden. Die Finanzierungsfrage ist ein Teil, aber die wirkliche Challenge ist, Mitarbeiterinnen zu finden und deswegen gibt es sehr konkrete Pläne für das  gesamte Aus- und Weiterbildungssegment für Pflege und Betreuung in Wien. Gerade in diesem Beruf ist die entscheidende Frage, wie die Lernenden in die Praxis gelangen, und wie man das Interessante an diesem Berufsbild vermitteln kann. Es ist verständlicherweise schwierig, 18- oder 22-jährige dazu zu begeistern in die Altenpflege zu gehen, da ist wohl zu viel Altersabstand vorhanden. Gute Erfahrungen haben wir mit 40-jährigen, die ihren Beruf wechseln wollen. Wir brauchen also auf der einen Seite entsprechende Ausbildungen, sind gleichzeitig aber auch in der Weiterbildung gefordert. Da haben wir in unserem Land starkes Verbesserungspotenzial.

Herr Yuen, wo sieht der waff die Herausforderungen beim Thema Weiterbildung?

Alexander Yuen: Die ArbeitnehmerInnen sind gefordert, ein Leben lang Anpassungsqualifikationen zu erwerben. Einen guten Grundstock hat man schon einmal, wenn man einen Lehrabschluss gemacht hat. Die Arbeitslosigkeit  bei Berufsschul-Absolventen liegt in Wien nur bei etwa 13% und bei Personen, die nur Pflichtschulabschluss haben, bei 35%. Das heißt wir sind sehr stark darauf fokussiert, das Jugendliche in jedem Fall eine berufliche Erstausbildung machen. Leider haben wir kein ausreichendes Lehrstellenangebot für alle, und brauchen auch die überbetriebliche Lehrausbildung und ergänzende Maßnahmen: Da gibt es etwa Spacelab, wo Personen an Ausbildungsreife und Produktionsschulen herangeführt werden. Der Digi-Winner ist ein neues Förderungsprogramm für Personen, die ihr Qualifikationsprofil den Herausforderungen der Digitalisierung stellen möchten. Da geht es um Qualifikationen wie E-Commerce, Marketing im Internet, oder Coding, die der waff künftig mit bis zu 5000 Euro in Kooperation mit der Arbeiterkammer fördern wird.

Herr Schweiger, ihr Slogan bei der VHS ist lebenslanges Lernen. Wo hakt es bei der Ausbildung?

Herbert Schweiger:  Es steht mir nicht zu, Schulen zu kritisieren, aber natürlich tragen die Wiener Volkshochschulen dazu bei, um das, was in der Schule nicht erreicht wurde, nachzuholen, oder um Erwachsenen Ausbildungswege zu eröffnen, die sie aus unterschiedlichsten Gründen in der Jugend nicht wahrnehmen konnten. So kann man etwa die Matura oder den Pflichtschulabschluss an den Wiener Volkshochschulen nachholen. Denn es ist wichtig, einen Bildungsabschluss zu haben - je geringer dieser ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einmal arbeitslos zu werden. Ein neuer Anlauf im Erwachsenenalter ist daher sinnvoll und glückt mitunter auch deshalb, weil innere Vorbehalte gegen die Schule, die manche Jugendliche plagen, wegfallen. Wir geben ihnen die Chance in einem anderen System, in kleineren Gruppen lernen zu können und wieder Freude am Lernen zu finden. Die Vorteile eines anders gestalteten Lernens sehen wir sogar schon bei den Jüngsten, für die wir die Gratislernhilfe im Rahmen der „Förderung 2.0“ anbieten.
Es kommt oft vor, dass Menschen, die ihren ersten Abschluss bei uns, in einem erwachsenengerechten System machen, die Freude und den Sinn am Lernen wiederentdecken.

Wie geht es Spar als größter Lehrlingsausbilder in Österreich, finden Sie genug ausgebildete Lehrlinge?

Victoria Engelhardt: Wir bilden derzeit circa 2300 Lehrlinge aus. Platz hätten wir für mehr, circa 2700 könnten wir aufnehmen - das heißt also, wir sind eigentlich ständig auf der Suche. Wir bekommen viele Bewerbungen, führen viele Gespräche und machen Aufnahmetests. Oft scheitert es am Ende aber an der Gesamtqualifikation. Denn wir schauen uns natürlich auch an, wie sich ein Bewerber im Markt verhält. Für uns ist ganz wichtig, wie sich unsere Lehrlinge im Markt verhalten. Sie sind im ständigen Kundenkontakt, da ist es auch notwendig, dass sie die deutsche Sprache beherrschen und sich ausdrücken können und dass sie die Grundrechenarten können. Wir haben überhaupt keine Probleme, Lehrlinge für die Zentralen oder für die Hauptzentrale zu finden, also für die klassischen Berufe wie Bürokaufmann oder –frau oder auch für den neuen Lehrberuf des E-commerce-Kaufmanns. Was den reinen Einzelhandel betrifft, ist es dagegen generell schwieriger geworden. Es ist nicht so, dass man sich bewirbt und automatisch eine Lehrstelle bekommt, sondern wir erwarten schon einiges von den Jugendlichen und prüfen Grundwissen mit einem Aufnahmetest. Wie hoch der Prozentsatz der Bewerber ist, die wir nehmen, hängt von den Bundesländern ab. In Wien haben wir sehr viele Bewerbungen, in Vorarlberg ist es schwieriger, weil dort auch die Industrie am Arbeitsmarkt sehr stark präsent ist.

Herr Chavanne, das Heerespersonalamt bietet Ausbildungen in 34 verschiedenen Lehrberufe an. Wo sehen Sie die großen Herausforderungen in der Lehrlingsausbildung?

Stefan Chavanne: Unsere 34 Lehrberufe reichen von Werkstoffen bis zu Luftfahrzeugtechnikern, es sind also auch sehr spezielle Berufe dabei. Die Herausforderung sehen wir dabei in bestimmten Berufen. Alles, was mit Gastronomie zu tun hat, ist sehr schwierig, darüber hinaus klassische Handwerksberufe wie Tischler und Elektriker, da gibt es nahezu keine Bewerbungen. Und dabei haben wir beim letzten Ausschreibungsverfahren insgesamt über 600 Bewerbungen gehabt, doch für Gastronomie und Handwerk kaum. Auch wir sehen ein Ost-West-Gefälle: Im Westen ist es ungleich schwieriger qualifizierte oder überhaupt Bewerbungen zu bekommen. Bei unserem theoretischen und praktischen Aufnahmetest wird vor allem die Berufsschulfähigkeit angeschaut. Immer wieder ein Problem ist dabei die deutsche Sprache, und zwar auch bei Österreichern ohne Migrationshintergrund. Das sehen wir auch beim Unteroffiziersnachwuchs, und merkwürdigerweise vereinzelt auch bei Maturanten.

Herr Schuster, das Sozialministeriumservice betreut sehr viele junge Menschen, wie sehen Sie diese Probleme?

Günther Schuster: Ich denke, die Problemstrukturen sind sehr unterschiedlich. Es mag manchmal an einer Behinderung liegen, manchmal an fehlender Unterstützung im Elternhaus, und manchmal sind es jene ganz normale Probleme, die junge Menschen in dieser Lebensphase immer wieder haben. Unsere Aufgabe dabei ist, dass wir jene Jugendlichen, die Gefahr laufen am Übergang von der Schule zum Beruf verloren zu gehen bzw. nicht in der Lage sind eine Berufsausbildung zu beginnen, dabei zu unterstützen, dass sie den Weg ins Ausbildungssystem finden und dann auch eine Chance haben, ihre Ausbildung gut zu bewältigen. Wir tun das auf der einen Seite auf einer technischen Ebene, indem es mittlerweile auch im Pflichtschulwesen den Datenabgleich gibt: Wir kennen die Jugendlichen, die aus der Pflichtschule abgehen und nach einer bestimmten Zeit in keinem Folgesystem aufscheinen. Und wir arbeiten vor allem mit Dienstleistungen. Da ist auf der einen Seite das Jugendcoaching, das die Grundbetreuungsstruktur für die Jugendlichen ist, für sie das beste Angebot zu finden versucht. Das zweite zentrale Angebot sind die Produktionsschulen. Manche Jugendliche sind einfach nicht reif genug, eine tatsächliche Berufsausbildung zu beginnen und die Produktionsschule bietet ihnen an, sowohl die sozialen Kompetenzen wie auch fehlende schulische Kenntnisse nachzuholen. Damit die Jugendlichen sich danach in einem Bewerbungsprozess durchsetzen können bzw. überhaupt die Chance erhalten, eine Ausbildung gut bewältigen zu können.

Herr Trefelik, ein wichtiger Faktor bei Beruf und Ausbildung ist die Digitalisierungswelle. Wie geht die Sparte Handel der Wirtschaftskammer damit um?

Rainer Trefelik: Die gute Nachricht ist zunächst einmal, dass wir in Österreich steigende Lehrlingszahlen haben. Wir haben neue Lehrberufe wie den E-Commerce Kaufmann eingeführt und versuchen auch in allen anderen Bereichen diese Digitalisierungskomponente einzubringen. Da waren wir schneller als Deutschland, das muss man schon sagen. Der gesamte Einzelhandel ist durch die Digitalisierung sicherlich herausgefordert, auch was die Öffnungszeiten betrifft, denn der Online-Handel ist 24h präsent. Ein wichtiger Punkt ist auch das Informationsverhalten der Kunden, für das wirklich gearbeitet werden muss in der Ausbildung. Wir haben gute Ansätze, Wettbewerbe, wo tolle Lehrlinge aus verschiedenen Bereichen des Handels zeigen was sie können, aber das ist halt nur die Spitze des Eisberges. Wir sehen ein gewisses Qualitätsproblem bei den Pflichtschulabgängern. Das ist einfach da, das kann man nicht wegdiskutieren. Grundlegenden Kenntnisse wie Deutsch und Rechnen zeigen Defizite. Wir kämpfen seit Jahrzehnten um das Image der Lehre, für die Lehre mit Matura, usw. Der Grundgedanke ist, wir müssen die Qualität der Mitarbeiter wieder steigern. Laut unseren Bedarfsanalysen brauchen wir bis zum Jahr 2022 rund 40.000 neue Mitarbeiter. Dafür muss gearbeitet werden bei der Berufsorientierung, in der Zusammenarbeit und Vernetzung von Schule und Wirtschaft, etwa durch Maßnahmen wie Talente-Check, Bildungsinformationssystem usw.

Herr Pawlick, sie vertreten die Landessinnung Bau. Wie werden Sie dem großen Personalbedarf gerecht?

Pawlick: Der Facharbeitermangel ist real und nicht bloß eine plakative Aussage. In Wien stehen wir vor der Herausforderung, dass nur mehr wenige Gewerbebetriebe bereit sind Lehrlinge auszubilden. Dass es Probleme bei den Grundkenntnissen wie  Mathematik oder Deutsch der Lehrlinge gibt, ist schon angesprochen worden und unbestritten, das gilt auch in unserer Branche. Was bei uns hinzukommt ist vielleicht auch ein bisschen ein Imageproblem, das dem Bau anhaftet. Man arbeitet im Freien, im Sommer ist es heiß, im Winter kalt – es ist eben ein Handwerksberuf. Allerdings hat sich vieles geändert, die Schwerarbeit ist zum Beispiel zurückgegangen. Alles in allem sind die Bauberufe aber sicherlich interessante Betätigungsfelder. Wichtig und erwähnenswert ist an dieser Stelle: Auch in schlechten Zeiten wird ein gut ausgebildeter Facharbeiter seinen Job haben und beim Bau darüber hinaus sehr gut verdienen. In der Lehre haben wir die am besten bezahlten Lehrlinge überhaupt, zumindest beim Gewerbe.  Im Moment werden eine Reihe von Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Lehrberufe gesetzt: Es gibt jetzt die Baulehre 2020, wo die Digitalisierung, die auch am Bau stattfindet, einfließt. Es wird heute digital vermessen, es werden in Zukunft einzelne Bauteile mit einen 3D-Drucker hergestellt werden, usw. Ab heuer bekommt bei uns jeder Lehrling im zweitem Lehrjahr ein kostenloses Tablet mit Zugang zu allen Informationen für die Ausbildung. Es wird sehr viel Geld in die Hand genommen, um das Image der Bauberufe zu verbessern. Für Lehrlinge und Unternehmen organisieren wir beispielsweise auch ein Lehrlingscasting und vieles mehr. Es ist ein harter und teurer Weg für Gewerbe und Industrie, aber ich glaube, dass es die einzige Möglichkeit ist, die Bauberufe sozusagen ins rechte Licht zu rücken und auch künftig genügend Facharbeiter zu haben. Die guten Facharbeiter der Generation 50+ fallen uns pensionsbedingt leider bald weg, da droht eine Lücke. Wir brauchen also die Jungen, die nachrücken.

Herr Zieger von Powerserv, Personalbereitsteller und Vermittler, Sie meinen, die Unternehmen bewerben sich mittlerweile bei den Mitarbeitern und nicht mehr umgekehrt?

Zieger: Das ist so, das hat sich komplett gedreht, wir sind eben eine Marktwirtschaft. Gut ist, was knapp ist. Es sind aber nicht zu wenig Kandidaten da, wir haben letztes Jahr 50.000 Bewerbungen gehabt, das ist ein Rekord. Wir haben rund 16.000 neue Überlassungen geschafft, aber es stimmt auch, dass Facharbeiter knapp sind. Warum die Firmen sie nicht bekommen, dafür gibt es mehrere Gründe. So gibt es Firmen die schlecht rekrutieren, keinen guten Ruf haben oder es aus anderen Gründen nicht schaffen, die benötigten Facharbeiter zu bekommen. Denen können wir helfen, wenn auch nur eingeschränkt, denn die große Menge der Facharbeiter gibt es einfach nicht. Die Firmen werden sich also ändern müssen, besser rekrutieren, mehr auf die Leute eingehen. Wir müssen grundlegend etwas ändern, denn durch das Älterwerden der Gesellschaft fallen uns künftig die Facharbeiter verstärkt weg. Selbst wenn auf die aktuelle Hochkonjunktur jetzt eine Abschwächung folgt, die nötigen Facharbeiter werden wegfallen. Es ist also ein grundlegender Wandel nötig und ich glaube, es muss in Österreich eine andere Einstellung zum Lernen und zur Weiterbildung eintreten. Es muss klar sein, dass man sich weiterbilden muss.

Herr Ulreich vom Interessensgemeinschaft privater Immobilienwirtschaft, wie macht die Immobilienwirtschaft Menschen ihre Jobs schmackhaft?

Ulreich: Ich bin jetzt schon fast 30 Jahre in der Branche – in Wien sind das 3000 Betriebe mit 10.000 Mitarbeitern. Wir sind ein sicherer Arbeitgeber und bieten ein gutes Umfeld mit vielen Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Es gibt wohl in einer Hauptstadt selten etwas spannenderes, finde ich jedenfalls, als für den Lebensraum von Menschen mitverantwortlich zu sein. Ob als Handwerker, Reinigungskraft, Sachbearbeiterin, Hausverwalter oder Bauträger. Aber wir leiden auch unter dem Run auf Akademische Ausbildungen. Uns fehlt schlicht der Mittelbau. Es finden sich selten Maturanten, die wir über Lehrberufe oder Wirtschaftskammerfortbildung weiterbilden und einsetzen könnten. Jeder will auf die Fachhochschule (FH) oder auf die Uni. Eine Entwicklung, die klar an den Bedürfnissen am Markt vorbeigeht. Eine gute Ausbildung gibt’s nicht nur auf höheren oder Hochschulen – sondern direkt im Betrieb. Die Karrierechancen sind genauso gut.

Herr Beck von UBM Development, welche Qualifikationen suchen Sie den bei den BewerberInnen?

Gerald Beck: Wir bemühen uns, so früh wie möglich, meist ab Maturaniveau, an potenzielle Arbeitnehmer heranzutreten und ihnen unser Berufsbild näher zu bringen. Unser Berufsbild zu verstehen und die Inhalte zu kennen, ist auch eines der Grundprobleme vieler SchülerInnen und Schulabgänger. Wir haben in Österreich eine derartige Fülle an Ausbildungsmöglichkeiten, trotzdem kommen bei den Schulabgängern sehr oft nur Berufe wie Mechaniker, Friseur in Frage. Was wir schaffen müssen und was wir als Unternehmen auch tun: Wir müssen junge Menschen über unser Schaffen breit gefächert informieren und sie für unsere Tätigkeit begeistern. Der wichtigste Schritt, meiner Meinung nach, ist, wenn jemand in die UBM kommt, dass man ihm einen Ausbildungsbuddy zur Verfügung stellt, einen Ansprechpartner und Coach, der ihn mitbegleitet. Wertschätzung ist ein großes Thema. Wir als Unternehmen investieren sehr viel in junge Arbeitskräfte und bilden sie sowohl intern als auch extern weiter aus. Über diesen Weg binden wir die Mitarbeiter auch an das Unternehmen. Digitalisierung ist dabei ein Thema. Ein weiteres Thema ist Flexibilität. Das Bild der „one company career“, in einem einzigen Unternehmen vom Berufseintritt bis zur Pension zu bleiben, existiert schon lange nicht mehr. Gerade bei uns gibt es viele Leute, die geradezu ein projektorientiertes Berufsbild haben: Sie gehen relativ bald zum nächsten Projekt, wo sie vielleicht etwas bessere Positionen, ein besseres Umfeld oder vielleicht auch einfach ein neueres Smartphone bekommen. Diese Flexibilität ist natürlich etwas, womit wir als Arbeitgeber konfrontiert sind und worauf wir uns einstellen müssen.

Herr Wenzina, die ÖBB hat mehr als 40.000 Mitarbeiter, welche neuen Berufsbilder sehen Sie kommen?

Wenzina: Wir wissen, dass sich die Berufsbilder durch Technologieentwicklung und Digitalisierung in den nächsten fünf bis sechs Jahren verändern werden. Aber ein konkretes Bild, wie es in 10 Jahren aussehen wird, hat heute wohl noch niemand. Junge Menschen können umso besser in die Arbeitswelt integriert und den Anforderungen der neuen Arbeitswelt gerecht werden, wenn sie eine fundierte (schulische) Ausbildung genießen bei der ihnen ein gutes technologisches Grundverständnis vermittelt wird. Die Kultur des Unternehmens ist dabei ein wesentlicher Hebel: Wir können von der nächsten Generation nicht erwarten, dass sie dieselben Anforderungen an ihren Arbeitsgeber stellen, wie wir es heute tun. Wir bilden aktuell in 22 Lehrberufen rund 1900 Lehrlinge aus, vorwiegend in technischen Berufen. Dabei wird es für uns als Unternehmen immer schwieriger, geeignete KandidatInnen für uns zu gewinnen. Um sie zu bekommen, setzen wir auf vielfältige Aktivitäten, arbeiten eng mit Schulen zusammen und geben bei Schnuppertagen und –Wochen Einblick in unser Unternehmen, speziell in die Lehrlingsausbildung. Mit der Auswahl und Gewinnung junger Menschen ist aber nur der erste Schritt getan. Noch wichtiger ist es, sie in das Unternehmen einzubinden, ihnen individuell Chancen aufzuzeigen, aber auch zuzuhören, um von der jungen Generation zu lernen. Das wird uns in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen – im Sinne des Generationenmanagements die Chance der Vielfalt zu nutzen und gemeinsam jede/n einzelnen von und die ÖBB weiterzuentwickeln.

Herr Pröll, Sie sind Geschäftsleiter Ost bei Klipp Friseur. Sehen sie auch einen starken Unterschied zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern?

Pröll: Absolut. Im Westen, um etwa Vorarlberg als Paradebeispiel zu nennen, ist es immens schwierig, Fachpersonal zu finden. Durch die Nähe zur Schweiz wandern sehr viele gut ausgebildete MitarbeiterInnen in die Schweiz aus bzw. pendeln, und man findet dann relativ schwierig Fachkräfte in Vorarlberg. Dieses Ost-West Gefälle ist definitiv bemerkbar. Die Ausbildung der eigenen Lehrlinge ist daher in diesem Zusammenhang für uns auch von großer Bedeutung. Zum einen sichern wir das Fortbestehen der Friseurbranche, zum anderen ist sie auch für die Weiterentwicklung unseres Unternehmens notwendig.  Aktuell befinden sich bei uns rund 130 sehr engagierte und talentierte Lehrlinge in den unterschiedlichen Ausbildungsstufen und auch dieses Jahr vergeben wir wieder über 80 Ausbildungsplätze an kreative und motivierte junge Talente. Herausforderungen mit denen wir in der Lehrlingssuche unter anderem konfrontiert sind, sind vielfach die mangelnde Entschlossenheit der Jugendlichen, sich für einen Beruf zu entscheiden und, in unserem Beruf auch ganz wichtig, gute Umgangsformen und gute Deutschkenntnisse.  Unsere Mitarbeiter brauchen gute Umgangsformen und gute Deutschkenntnisse, denn als Dienstleistungsunternehmen sind unsere Mitarbeiter permanent mit Kunden in Kontakt.

Silvia Buchhammer, Sie leiten meinersterjob.at. Wir haben schon gehört, es gibt einerseits sehr viele Angebote und andererseits auch eine gewisse Orientierungslosigkeit bei den jungen Menschen. Was kann man tun, um das zu lösen?

Buchhammer: Ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg. Unsere Aufgabe ist es, eine Kommunikation herzustellen. Wir wollen junge Leute ab 14 Jahren mit der Wirtschaft verbinden und dabei auch die Schulen miteinbeziehen. Ich glaube, dass da ein großes Potential drin steckt, weil wir hier eine Riesen-Plattform haben und die Kommunikation mit den Schülern über die Lehrer funktionieren kann, wenn man es auch bei den Lehrern gut kommuniziert. Auf der anderen Seite können die Schülerinnen und Schüler bei uns auf meinersterjob.at zwar das Coaching eines Lehrers in Anspruch nehmen, sie müssen aber nicht: Man kann genauso einen Onkel oder Bruder als Coach nehmen, das heißt ganz flexibel von den Chancen des Coachings profitieren. Außerdem kann ein Schüler nicht sagen, dass er ausschließlich Mechaniker werden will, sondern es funktioniert so, dass man seine Fähigkeiten angibt: Ich bin gerne im Freien, ich bin analytisch oder kreativ, usw. Ich glaube, dass das auch wirklich wichtig ist, weil man ja die Berufe vorher nicht kennt und oft gar nicht genau weiß, ob der Beruf wirklich zu einem passt. Auf der anderen Seite kann das Unternehmen nach genau diesen Fähigkeiten suchen. Ich kann als Arbeitgeber zum Beispiel angeben, dass ich nach einer kreativen Person suche, die gerne im Freien arbeitet. Dann bekomme ich ein anonymisiertes Profil – hier kommt ja der Datenschutz ins Spiel. Der Schüler hat dann bei Interesse die Möglichkeit, mit der Fima zu kommunizieren. Es ist natürlich Kommunikationsarbeit nötig, aber ich glaube dieser Weg bietet wirklich große Chancen.

(Aus der offenen Diskussion)

Schweiger: Der Grund, warum Lehrlinge oft nicht einmal zum Vorstellungstermin kommen, hat auch mit der Angst vor dem Scheitern zu tun. Sie kennen sehr wohl ihre Defizite, sei es beim Rechnen oder im sprachlichen Bereich, das nagt am Selbstvertrauen. Daher bemühen wir uns bei der Nachqualifizierung, nicht auf den Defiziten aufzubauen, sondern das Positive herauszuholen und die Stärken der Jugendlichen auszubauen. Gerade im Hinblick auf die heutige teamstrukturierte Arbeitswelt muss man darauf hinarbeiten, das zu stärken, was schon vorhanden ist und die Schwächen nur soweit wie notwendig korrigieren. Es ist fraglich, ob die Schule mit ihrem Notensystem das leisten kann. Was auch zu kurz kommt: Es wird nicht in die Persönlichkeitsbildung von Jugendlichen und Kindern investiert. In Zukunft wird es darauf ankommen, dass man sich darüber bewusst ist, wer man ist, was man kann und wie man sich entwickeln möchte – ganz besonders dann, wenn man als Berufsanfänger einen Beruf erlernt, den es vielleicht fünf Jahre später nicht mehr gibt.

Trefelik: Ich möchte an meine Vorredner anknüpfen: Der Wettbewerb der Betriebe findet um die guten Mitarbeiter statt, um die Begabten. Um jene Gruppe, denen vom Elternhaus her die Struktur fehlt, die eher verunglückte Schullaufbahnen haben, um die findet kein Wettbewerb statt. Wenn sich Probleme des Schulsystems paaren mit einer fehlenden Bereitschaft der Wirtschaft in wenig begabte Jugendliche zu investieren, dann gibt es für das Problem keine Lösung. Gleichzeitig muss man den Betrieben auch die Luft zum Leben lassen, die Lehre muss so beschaffen sein, dass kleine wie große Betriebe sie sich auch leisten können.